Was beim „Seelebaumeln“ so rumkommt…

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Selfie mit Philipp Renner

Am Dienstag war mir nicht so nach „Dienst tun“. Eher nach „Seelebaumelnlassen“. Und weil das Dasein einer Freiberuflerin, neben tausend Unwegbarkeiten, doch auch die – mehr oder weniger – freie Zeiteinteilung beinhaltet, konnte ich mir einen Bummel durch Landaus Innenstadt erlauben. Am hellichten Tag! Stöbere hier, schnuppere da, entdecke Sächelchen, die ich in Jasmins Geburtstagspäckchen packen will, einen türkisfarbenen Pulli, der mir schon sehr gefällt, aber dann doch zu teuer ist, lass mir ein Fischbrötchen schmecken und dann steuere ich mein Lieblingscafé am Marktplatz an. Ein Tisch ist noch frei! Ich bestelle einen doppelten Espresso und dreh mir eine Genuss-Zigarette.

Kaum hab‘ ich meine langen Beine ausgestreckt, beobachte ich einen älteren Herrn mit weißem Rauschebart, der ganz offensichtlich auch gern einen Platz an der Sonne ergattert hätte. „Ist hier vielleicht noch….?“ „Klar, ist hier noch Platz. Sogar für drei!“, lache ich, denn die Tische sind von je vier Stühlen umringt. Und dabei mache ich eine einladende Geste, der er freudigst folgt. Ratzfatz erfahre ich, dass er die „Siebzig“ bereits überschritten habe, somit Rentner sei und Renner heiße. Vorname Philipp. Dass er auf der anderen Rheinseite im Badischen lebe und gerne Tagesausflüge mache. Und, dass er erst vor wenigen Wochen zum ersten Mal Großvater geworden ist.

Stolz zeigt er mir Bilder seiner Enkelin auf dem Smartphone und ich glaub‘ ihm auf’s Wort, dass er es kaum noch erwarten kann, sie endlich selbst im Arm halten zu dürfen. Klar, erzähle ich auch von meinen Enkeln und dass ich schon ein bißchen länger als Großmutter unterwegs bin, allerdings noch unberentet (hüstel). Philipp hat als Sonderschul-Lehrer gearbeitet und evangelische Religion unterrichtet. Wobei es ihm immer am wichtigsten gewesen sei, eine offene, verständnisvolle Weltanschauung zu vermitteln. „Es geht doch ums Verbinden und nicht ums Trennen!“ Deshalb sei auch die Inklusion immer ein Herzensanliegen für ihn gewesen. „Aber dazu braucht es ausreichend geschulte Lehrkräfte…“.

Die Sache mit dem „Schubladendenken“ beschäftigt uns in unserem angeregten Austausch ebenso, wie die Zukunft der Kinder, neue Medien und der Geruch alter Bücher. Und zu guter letzt, als ich ihm „natürlich“ von meinem Programm „Solo für Seele“ erzähle, landen wir bei einem gemeinsam verehrten Dichterfreund: Hermann Hesse. Dem Inspirationsquell meiner Jugendtage. Und so kommt es, dass der Mann mit weißem Rauschebart an Ort und Stelle mit sonorer Stimme mein Lieblingsgedicht rezitiert: Stufen

„Wie jede Blüte welkt und jede Jugend, dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe, blüht jede Weisheit auch und jede Tugend zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern…..“. Danke, lieber Reisender, dass Du mir unterwegs begegnet bist. Nach einer guten Stunde verabschieden wir uns herzlich. Ich gehe beflügelt meiner Wege und komme nochmal an dem Laden mit dem türkisfarbenen Pulli vorbei. Entschlossen trete ich ein, suche die Stapel, die da vorher noch lagen, frage eine Verkäuferin, ob die vier Pullis in der Kürze der Zeit jetzt schon alle verkauft seien und sie zeigt auf einen Ständer, neben der Eingangstür. „Eben Anweisung von der Geschäftsleitung bekommen zu reduzieren. Sind jetzt zwanzig Euro runtergesetzt…“.

 

 

2 Kommentare zu Was beim „Seelebaumeln“ so rumkommt…

  1. Ja, Herman Hesse hab auch ich mir einverleibt…Schön, solche Begegnungen! Danke!

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