Lebenlernen

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Stütze. Gabi SalerWenn es mich wirbelt in dieser Welt und ich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr seh, dann wird es Zeit. Höchste Zeit für mich. Dann tauch ich ein in dich. Und lausche deinem Rauschen. Wenn der Wind von Osten kommt, und ihr, Bäume, euch einträchtig nach Westen neigt.

Legt sich das Tosen aus der Luft und es wird Stille, dann kann ich eure leisen Töne hören. Unmissverständlich. Ihr seid, die ihr seid – Buchen und Birken und Tannen und Kiefern und Erlen und Eiben…..Stark und strebsam die einen, dürr und darbend die andern. Nicht selten stützt ihr euch gegenseitig. Und nicht selten sind es die Kümmerlichen, die den Kraftvollen noch dienlich sind auf ihrem Weg zum Licht.

Ich lerne in Dir. Was das Leben ausmacht. Wohin schleudert es dich, Samenkorn, auf das du ein Baum wirst, der den Stürmen standhält? Wie tiefgründig ist die Erde auf der du landest, um Wurzeln zu bilden und zu ankern, ehe du Wachsen darfst? Ich lerne, dass der Ort, an dem Du geboren wirst, für dein Werden maßgeblich ist.

Wunder Wald. Geben und Nehmen, Werden und Vergehn. Gleichmütig steht dem Tod neuer Lebensraum gegenüber. Wertfrei und wohltuend ehrlich. Weil es gar nicht anders sein kann. Es ist wie es ist. Verletzt, zerborsten, zerfetzt – aber immer wahrhaftig. Wie wohl das tut. Wie sehr du mich nährst. Ich atme dich, Wald.

2 Kommentare zu Lebenlernen

  1. Mit allen Sinnen den Wald gespürt … weckt Sehnsucht …

  2. Wunderschön geschrieben! Ein Text, der das Herz berührt. Danke! Ich empfinde den Wald genauso.

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