Weil im Singen die Seele klingt

Sängerin Silvie Fazlija liebt, was sie tut:

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„Ich singe, also bin ich“. Die so für sich wirbt, heißt Silvie Fazlija und ist von Beruf Sängerin für besondere Anlässe,  Gesangspädagogin und Musicaldarstellerin. Auf einer Hochzeits-Messe in Karlsruhe begegnen wir uns Anfang November das erste Mal. Sie lässt mich aufhorchen, ich lache, swinge, singe mit ihr und weil die Sympathie auf Gegenseitigkeit beruht, lädt sie mich 14 Tage später zum Erzähl-Kaffee in ihr Karlsruher Wohnzimmer ein …

Silvie strahlt. Erfüllt. Ihr Leben ist Musik.

Mal singt sie bei freien oder kirchlichen Trauungen, mal bei Taufen und Willkommenszeremonien, mal beim feierlichen Sektempfang, der eleganten Dinnerparty, Firmenfeier oder beim zwanglosen Sommerfest. Mal klassisch, mal Jazz, mal Pop, solo, im Duo mit Pianist oder weiteren Musikern. Und wenn sie gebeten wird, bei Trauerfeiern zu singen, macht sie das genauso gern. „Einmal hat mich ein Pfleger aus einem Altenheim gefragt, ob ich auch für eine Frau singen würde, die anonym beerdigt werden wolle und keine Angehörigen mehr habe.“ Zu zweit stehen sie am Grab und Silvie singt aus dem Herzen „Amazing grace“, „Halleluja“, „Ave Maria“. „Ein unbeschreiblich berührender Moment…“. Das „Seelenberühren“ mit der Stimme sei überhaupt das allerschönste. Egal, in welchem Rahmen. „Religiös bin ich nicht wirklich“, erzählt sie. Glauben könne sie an die Kraft der Liebe. „ Nicht alle glauben das gleiche und können dennoch gute Menschen sein…“. Genau das hat sie in der eigenen Familie von Kindesbeinen an erlebt. Im Januar 1975 wird Silvie im tschechischen Pilsen geboren. Ihre Mama ist Tschechin, der Papa mazedonischer Albaner. „Mein Vater war einer der Gastarbeiter, die in den 60er Jahren nach Deutschland geholt wurden.“ Seine Arbeitsstelle ist in Bayern, am Wochenende fährt er mit Freunden gern mal über die Grenze. In einer Disco lernt er Silvies Mama kennen, sie verlieben sich, gründen eine Familie. Als das Töchterchen ins Kindergartenalter kommt, werden sie in Karlsruhe sesshaft. Während die Mama, neben deutsch, auch von klein auf tschechisch mit ihr spricht, lernt sie vom Papa albanisch.

Toleranz und Mitgefühl werden früh vermittelt

„In unserer Familie kann man erleben, dass verschiedene Kulturen durchaus miteinander harmonieren können.“ Im „Vögelchen“, wie sie von Freunden liebevoll genannt wird, wächst nicht zuletzt daraus schon früh ein gesundes Selbstbewusstsein. Weshalb ihre besondere Musikalität bereits in der Grundschule positiv auffällt, was wiederum die Wahl der weiterführenden Schule in entscheidende Bahnen lenkt. Sie darf auf’s Helmholtz Gymnasium, weil es dort einen musischen Zweig gibt. „Ab der siebten, achten Klasse hab ich nur noch gesungen! Was nicht schlecht war, weil ich gar keine Zeit für irgendwelchen Blödsinn hatte“, resümiert sie lachend. Sie singt in diversen Chören, übt sich in Stimmbildung und früh ist klar, dass sie auch nach dem Abitur der Muse treu bleiben will. Eigentlich peilt sie ja den Lehrerinnenberuf an. Der Numerus Clausus macht ihr einen Strich durch die Rechnung. Zum Glück, könnte man da schon wieder schreiben, denn sonst wäre sie nicht geworden, was sie ist.
Über Umwege landet sie an der Felix Mendelssohn-Bartholdy Musikhochschule in Leipzig. Erstmal, um für den Studiengang Jazz- und Popular Musik vorzusingen. Obwohl ihr Herzenswunsch eigentlich ein anderer ist. „Ich hatte damals schon zwei Musical-Aufnahmeprüfungen hinter mir. In Essen und in München. Beide Male befand man, dass ich zwar hübsch sänge, aber nur mäßig schauspielerisches Talent besäße.“ In Leipzig hingegen macht man ihr Mut: „Wollen sie nicht morgen zur Musical-Aufnahmeprüfung kommen?“ „Ich hatte nichts dabei und war null vorbereitet,“ erinnert sich Silvie, doch es liegt „die Gunst der Stunde“ in der Luft. Sie lernt zwei Studentinnen kennen, die ihr nicht nur Leggings und Tanzschläppchen leihen, sondern ordentlich Rückenwind geben, tags drauf tritt sie an, hält zwei Monologe, tanzt, singt und gewinnt. „Ja dann können sie sich schon mal ein Zimmer in Leipzig suchen!“ So kann’s gehen. Es folgen fünf Jahre Studium, Chancen sich auf diversen Bühnen auszuprobieren und zum krönenden Abschluss der Doppel-Dipl. – als Musicalsängerin und als Gesangspädagogin. Weil ihr klar geworden sei, dass sie nicht bis 65 Beine schmeißen wolle. Oder könne: „Hab fünf Jahre versucht in den Spagat zu kommen. Erfolglos!“

Jim Knopf ist ja ein Mädchen! 

Erfolgreich hingegen tourt sie danach als „Jim Knopf“ mit einem Kindermusical durch die Lande. Schwarz bemalt, versteht sich. Unvergessen bleibt ihr die Erkenntnis eines kleinen Jungen, der sich nach dem Auftritt ein Autogramm bei ihr abholen will: „Iiiiih! Jim Knopf ist ja ein Mädchen!“ Silvie zeigt Bühnenpräsenz. Mal mit einer Frauen-Chanson-Truppe, den „Odeon Ladies“, dann mit den„Showgetten“, die sich herzerfrischend selbstironisch mit weiblichen Pfunden auseinandersetzen, dann gründet sie mit einer guten Freundin „Die Diven“ und serviert eine Chanson-Gala rund um den Mann. Sie singt in Jazz-Bands, wie „Mellow Mood“ und der Südpfalz Bigband, aus der sich das Palatine Jazz Orchestra entwickelt und ist Teil diverser Ensembles zwischen Baden und der Pfalz. Was sie gleichermaßen beglückt ist ihr zweites Standbein: die Gesangspädagogik. Sie unterrichtet Gesang im Bereich Pop, Musical, Jazz für Anfänger und Fortgeschrittene und bietet Intensiv-Coaching für Audition, Studio-Aufnahmen und Live-Auftritte. Die einen haben großes vor, andere wollen einfach mal was für sich selber tun. „Meine Wellness-Sängerinnen sind wundervoll!“, schwärmt Silvie. Manchmal kommen sie gestresst bei ihr an, singen eine Stunde und fühlen sich danach total befreit. „Feel free to sing“, Silvie macht Mut und supported am Klavier.


Ihr jüngstes, musikalisches Baby hat sie als CD mit Jana Schrietter (Rechts) und Torsten Steudinger (Mitte) via Crowdfunding zur Welt gebracht: Die drei servieren als  Sing and String Affair – zwei starke Frauenstimmen plus Bass – „A matter of time“. (Veranstaltungen und alles weitere auch auf: Facebook) Jazz-Standards, Popsongs und ganz und gar eigenes haben sie darauf verewigt. Klingt puristisch und ist definitiv purer Hörgenuss. Kostproben daraus finden sich natürlich auch auf Silvies Youtube Kanal.
Ein bunter Reigen, das Leben der Silvie Fazlija. Doch „always easy“ ist die damit verbundene Freiberuflichkeit leider auch nicht. Zuviel existenzielles Drumrum, was manchmal durchaus mürbe machen kann und hin und wieder sogar ein wenig vergesslich… „Weißt du“, sagt Silvie zum Abschied nach unserem Erzähl-Kaffee, „dass ich es stark finde, was du da auf deinem Blog machst? Du fragst, ob ich liebe, was ich tue und erinnerst mich, wie glücklich ich eigentlich bin!“ Danke für’s Erinnern dürfen, liebe Silvie.

Herzlichst, Gabi Saler

 

Titelfoto: Andreas Dalferth

Foto Sing and String Affair: Katrin und Sandra Müller

4 Kommentare zu Weil im Singen die Seele klingt

  1. Liebe Gabi,

    irgendwie war da wohl auch Glück mit im Spiel, als wir uns kennenlernten 🙂 Du warst an diesem Novembertag ein wunderbares Publikum und nach unserem wunderbaren Erzähl-Kaffee freue ich mich darauf, irgendwann mal zusammen mit dir das ein oder andere Brautpaar zu „beglücken“!

    Danke für den wunderschönen Text und bis ganz bald!
    Liebe Grüße von der aktuell sehr glücklichen Silvie

  2. Ich kann es ja nicht oft genug wiederholen, liebe Gabi.
    Ich habe ein Klavier… und kann nicht spielen..
    Du bist doch eine so tolle Vernetz-knüpferin!!

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