Wegweiser in unbekannten Welten …

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Marie und Volkan

Zugegeben: Wenn unsere Kinder nicht beschlossen hätten nächstes Jahr zu heiraten, wäre ich nie auf die Idee gekommen. Unser Ja-Wort liegt am 30.12.2017 schließlich schon 30 Jahre zurück und damals traute man sich eben ausnahmslos standesamtlich, wenn Kirche – aus welchen Gründen auch immer – kein Thema war. „Du, Mama, heute gibt es freie Trauungen und freie Trauredner! Warum machsten du sowas nich?“ „Aha“, gab ich zur Antwort, fühlte mich durchaus geschmeichelt, ob der mir zugetrauten Kompetenz, hakte die Sache an sich aber erstmal wieder ab. Zuviel anderes. Und überhaupt….

Wochen später fiel mir unser Tochter-Mutter-Gespräch wieder ein und ich begann zu recherchieren. Wer oder was muss Frau sein, um Freie Traureden halten zu können? Wie sieht so eine Zeremonie überhaupt aus? Und: Ist der Bedarf groß genug, dass es Sinn macht, mich auch noch in diese Richtung in Bewegung zu setzen? Ganz vorne im Google Ranking tauchten erstmal jene auf, die mich glauben machen wollten, ich sollte dringend und zuallererst eine kostenpflichtige Ausbildung bei ihnen absolvieren. Wo ich dann lernen könne frei zu sprechen, auf Menschen zuzugehen, ihre Geschichten in Worte zu fassen, Angebote auszuarbeiten, Selbstmarketing zu betreiben …

Nun…. Ich bin eine klassisch ausgebildete „Frau mit Herz“ (so der Titel der Illustrierten, bei der ich nach Abitur und Studium  volontierte). Was ja an sich schon mal eine fabelhafte Voraussetzung für das angepeilte Genre ist. Sprechen, Erzählen, Singen ist bekanntlich ohnehin mein Ding, sonst hätte ich mich im Mai diesen Jahres wohl kaum mit Solo für Seele auf eine Bühne gewagt. Am allerliebsten schreib‘ ich Geschichten, die die Liebe schreibt, ich besitze einen freien Geist, fremdle nicht und bin seit vielen Jahren freiberufliche Selbstvermarkterin. Das einzig Erkennbare, was mir zu meiner Qualifikation somit noch zu fehlen schien, war Trauungserfahrung.

Susanne Gamber

Erfreulicherweise landete ich ziemlich bald auf der Seite einer Freien Traurednerin aus Pforzheim: Susanne Gamber. Ihre Vita las sich durch meine Augen herzerfrischend anders. Mutmachend, offen, unkompliziert. Sie liebt Menschen und ihre Geschichten, hat Marketing-Kommunikation studiert und in der freien Wirtschaft als Pressesprecherin gearbeitet, bis das erste Kind zur Welt kam. 2007 hat sie selbst geheiratet, zeremoniell wäre ihr und ihrem Partner eine freie Trauung am liebsten gewesen. Weil sich die Suche nach Freien Traurednern damals allerdings noch äußerst schwierig gestaltete, erkannte sie früh eine offensichtliche Marktlücke und fand gleichzeitig ihren Traumberuf. Mein Entschluss stand: „Die Frau will ich kennenlernen!“ Wenige Minuten später hatte ich sie schon an der Strippe und drei Tage drauf trafen wir uns mittags in Karlsruhe.

Seit sieben Jahren ist Susanne mittlerweile unterwegs als Freie Traurednerin. Und schon nach einem Jahr sei ihr klar gewesen: „Die Nachfrage ist enorm und allein stoß ich schnell an meine Grenzen!“ Trauungen, ob frei oder konfessionell, sind von langer Hand geplante Feierlichkeiten. „Da kannst du nicht morgens anrufen und absagen, weil’s im Magen grummelt. Der Termin muss stehen!“ Nicht zuletzt deshalb sei eine gute Freundin nach einem Jahr mit eingestiegen. Nach und nach ist ein Team von sechs Leuten um sie gewachsen, das sich sowohl mit Rat und Tat, als auch mal vertretenderweise zur Seite steht.

„Teil eines Teams zu sein und dann auch noch im Auftrag der Liebenden …“, ich träume vor mich hin und wage den fragenden Vorstoß, ob ich vielleicht bei ihr … ? Sie winkt ab. „Bei uns läuft es jetzt rund. Noch mehr würde unübersichtlich“. Kann ich natürlich verstehen. Doch sie belässt es nicht dabei. „Wenn du willst, nehm ich dich mit auf eine meiner Trauungen. Und wenn du Fragen hast, kannst du dich immer an mich wenden!“ Dann fällt ihr noch etwas ein: „Ganz in deiner Nähe, in Wörth, gibt es eine Freie Rednerin, die ich immer gern empfehle. Sie heißt Barbara Christina Merz. Kann mir gut vorstellen, dass ihr euch versteht und vielleicht landest du mit etwas „Glück und so“ ja bei Papilio

 

 

2 Kommentare zu Wegweiser in unbekannten Welten …

  1. Hallo, Gabi Saler,
    wir haben uns schon persönlich gesehen und gesprochen in Zusammenhängen der Kunstszene. Zum Thema kann ich Dich nur bestärken. Ich schrieb die Trauerreden sowohl auf meinen Vater, als auch auf meine Mutter, die sieben Jahre später starb, konnte die aber beide nicht vortragen, weil ich immer nur geweint hätte beim Sprechen. Das ging nicht. So gab ich die Texte an einen professionellen Trauerredner, den das Beerdigungsinstitut vorschlug und er hat einen einfachen Job gehabt und gut verdient. Kann ich nur empfehlen…
    Liebe Grüsse,
    Norbert Herrmann

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