Deinerseits

Liebst du, was du tust?

Menschen, die ich portraitiere, sagen von sich: “Ich liebe, was ich tue!” Was natürlich nicht heißt, dass das in ihren Leben immer so war und immer so ist oder immer auf alles, was sie so tun müssen, zutrifft. Genau das allerdings, macht ihre Lebensgeschichten so erzählenswert. Just for fun hab’ ich neulich einfach mal die gängigste Suchmaschine bemüht und die Frage eingegeben: “Liebst du, was du tust?” Der erste, der sich meldete, war Konfuzius. Nicht persönlich natürlich. Angeblich soll er vor rund 2500 Jahren bereits erkannt haben: “Wenn du liebst, was du tust, wirst du nie mehr in deinem Leben arbeiten.” Diese bahnbrechende Erkenntnis hat es zwar bis ins neuzeitliche Internet geschafft, hinkt in der Umsetzung allerdings nach wie vor dramatisch hinterher. Wer – außer wildentschlossen, selbstständige Freiberufler, die dafür eine Menge Hürden in Kauf nehmen, oder jene, die es gegebenenfalls mühsam in die oberen Etagen geschafft haben und dafür betriebsverordnete Achtsamkeitstrainings absolvieren dürfen, somit also: Wer, der von einem befristeten Vertrag zum nächsten hangeln muss, wer, der am Fließband eines Riesenunternehmens ein ungefragtes, austauschbares Schräubchen […]

Meinerseits

Vor langer, langer Zeit…

…diente mir eine rote Reiseschreibmaschine. Die brauchte keinen Strom, was praktisch war, denn so konnte ich auch mitten im Wald meiner Arbeit nachgehen, die in jenen Tagen vornehmlich darin bestand “Unheimliche Geschichten” für eine illustrierte Wochenzeitung zu verfassen. Am allerliebsten mochte ich das “Kling” am Ende einer Zeile und das Hebelchen, mit dem ich in die nächste vorrückte. Und ich liebte den Klang ihrer Tasten. Denen hab’ ich’s gegeben…Darapdaradarapdara… Die Krönung des Erlebens war, wenn Enzo und ich im Einklang Laut gaben. Er, der Bildhauer, setzte das Stecheisen an einem hohlen Kirschbaum an, und ich, die Schreiberin, ließ meine Finger im Rhythmus dazu über die Tastatur meiner roten Reiseschreibmaschine flitzen. Toktoktok…darapdaradarapdara…toktok….darap…toktok…darap…rap…tok…dap…….

Andererseits

Bewegende Ansichten…

Mein Bruder liebt seine Arbeit. Genuss ist für ihn den Kopf voller Filmideen zu haben; zu wissen, dass übermorgen der Schneideraum gebucht und der Text zur aktuellen Filmproduktion so gut wie im Kasten ist. Er genießt gern ein gutes Glas Rotwein und am allerliebsten gemeinsam mit Sohn Moritz brillante BvB-Spiele. Ein Tässchen Espresso wird gern genommen, bevor sein Pfleger ihn von der Rücken- in die Seitenlage befördert… Michael Dittrich ist durch eine chronische Entzündung des Zentralen Nervensystems seit 2006 vollständig bewegungsunfähig und komplett auf Hilfe angewiesen.  Der Sportjournalist, Filmemacher und Bücherschreiber, Jahrgang 1957,  ist zum Teil berentet und andererseits immer noch beim SWR angestellt. Für ihn ein echter Glücksfall. Deshalb kann die Arbeit der Menschen finanziert werden, die ihm Hände, Füße, Ausführende seiner Vorstellungen sind. Anfang Januar 2015 sorgt sein sehr persönlicher Film „Reine Nervensache – Leben mit einer unheilbaren Krankheit“ für enorme Medienresonanz und wird zum ersten Mal im SWR Fernsehen gesendet. In der 90 minütigen Dokumentation geht es um Stationen in seiner Biographie, um Träume und Wünsche, um Hoffnungen und Enttäuschungen, um Freundschaft […]