Pionierin von Kindesbeinen an

Heilpraktikerin Ulrike Granz aus Neustadt

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Ulrike Granz 1

„Alle meine normalen Freunde fanden toll, wie ich lebe. Ich hätte es gern konservativer gehabt,“ erinnert sich Ulrike Granz lachend. Doch die Sache mit dem Lebensumfeld, in das man hineingeboren wird, lässt sich eben schwerlich im Vorfeld steuern. So landet „Uli“ als Tochter weltoffener Akademiker schon im frühen Kindesalter in einer Großkommune und lernt „Niemand“ kennen. Wer hat Bad-Dienst? Niemand. Wer hat den Dreck in der Spüle hinterlassen? Niemand. Und sonst so? „Jede Menge Menschen aus allen Milieus, die vereinte, dass sie nach neuen Lebenswegen suchten und alle sehr mit sich selbst beschäftigt waren.“

Geblieben ist der herzensoffenen Saarländerin aus jener Zeit besonders eins: Eigenständigkeit, Toleranz und der Mut, Dinge auszuprobieren. Mit sechs nimmt sie die Sache mit dem Kochen in die Hand. Sie geht allein zum Metzger, kauft ein Hähnchen und packt es in die Bratröhre. Ofen an. Fertig. Dass der Plastikbeutel mit den Innereien nicht mitgebraten werden darf, hat ihr keiner gesagt. Danach wusste sie’s. „Learning by doing“ bleibt ihr Lebensprinzip.

Von der Grundschule wäre sie zwar gern direkt auf’s Gymnasium gewechselt, nimmt dann aber doch erstmal die Kurve über die Realschule, mit Prüfung und Fieber und doch mit links. Konfirmation lehnt die Individualistin ab. „Das hätte ich nur wegen der Geschenke gemacht.“ Und auf einen Tanzkurs verzichtet sie primär deshalb, „weil da jeder hinging“. Ulrike Granz ist nicht „Jeder“, will stattdessen noch viel mehr lernen und entscheidet mit 16 das Fach-Abi für Soziales draufzupacken. Mit 18 hat sie es in der Tasche.

Dass sie Menschen „was Gutes tun“ möchte, ist schon früh zielbestimmend. Natürlich auch in Sachen Berufswahl. „Eigentlich wollte ich Krankengymnastin werden und nicht weg aus dem Saarland.“ In Bad Homburg wird sie zum Vorstellungsgespräch geladen. Theoretisch attestiert man ihr eine Eins Plus, praktisch muss sie wohl den Kobold ausgepackt haben. „Ich war schon immer ein humorvoller Mensch!“, lacht sie. Das Urteil der Kommission: Sie sei wohl noch zu unreif und solle sich erstmal den Wind um die Nase wehen lassen…

Der weht dann rauher. Mal abgesehen davon, dass ihre beruflichen Träume für’s Erste seifenblasengleich zerplatzen, spürt sie immer deutlicher, dass es auch an anderer Stelle „hakt“. „Trotz aller Fröhlichkeit steckte immer eine Grundtraurigkeit in mir…“. Sie sieht sich nach Hilfe um und beginnt eine Gesprächstherapie. Nicht zuletzt, weil sie ahnt, dass mit dem „anderen Gutes tun“, wenig drin ist, wenn es ihr selbst nicht gut geht. By the way lernt sie als Platzanweiserin im Staatstheater, Kabelhilfe beim Saarländischen Rundfunk und Stallmädchen auf der Saarbrücker Trab- und Galopprennbahn für’s Leben, macht noch ihren Abschluss an der Fachhochschule für Sozialpädagogik und Sozialarbeit und darf nach diversen Praktikas feststellen, dass alle interessanten Jobs im Umkreis bereits vergeben sind. „Mir wäre nur Schreibtisch und Amt geblieben und das wäre tödlich für mich gewesen.“

Erst, als Ulrike Granz bereit ist, über den saarländischen Tellerrand hinauszuschauen, eröffnen sich neue Perspektiven. Sie bewirbt sich ortsunabhängig an verschiedenen Schulen für Physiotherapie und wird in Neustadt an der Weinstraße genommen. „Aus Leid kann Glück wachsen,“ weiß sie längst, findet in der Pfalz eine neue Heimat und ist sich sicher: „Nur die Durststrecken haben mich drauf gebracht meinen Blickwinkel zu ändern.“ Endlich landet sie dort, wohin sie sich geträumt hat und gibt in Folge alles, was irgendwie geht. Mit 23 legt sie ein Einser-Staatsexamen hin, dann das Anerkennungsjahr im Hetzelstift, drauf arbeitet sie 20 Stunden in einer Praxis und parallel als Referentin an drei verschiedenen Physio-Schulen im Themenbereich „Psychologie, Pädagogik und Soziologie“, den sie gemeinsam mit dem Schulleiter in Neustadt überhaupt erst kreierte. „Ich bin arbeitssüchtig,“ gesteht sie mir lachend, obwohl das mit Sicherheit nicht immer zum Lachen war. „Hatte über zwei Jahre eine 70 bis 80 Stunden Woche und einen blöden Freund an meiner Seite, der mich null zu würdigen wusste.“ So und so kein Dauerzustand. Der Körper lässt sie’s spüren. Gerade 29, streiken ihre Augen…

Ulrike Granz 2

Uli ist kein Mensch, der lange fackelt, wenn’s eh schon brennt. Frei nach Mutters Motto: „Wenn du Hilfe brauchst, musst du sie dir suchen“, entscheidet sie sich zügig für einen „eleganten Ausstieg“ aus der Tretmühle, sucht und findet eine Nachfolgerin für die Schulen und ist für ein paar Jahre „einfach nur angestellt“. „So konnte ich mich erholen, mir selber immer besser auf die Schliche kommen, meinen Heilpraktiker machen…“.

Am 2. September 2002 eröffnet Ulrike Granz in der Friedrichstraße 53 in 67433 Neustadt an der Weinstraße ihre eigene Praxis. Ihren Schwerpunkt legt sie auf Osteopathie. „Das ist ein ganzheitliches Konzept mit dem man über manuelle Körperentspannung auch seelisch-geistige Entspannung erwirken kann.“ Neben Technik gehört auch intensiver Gesprächsaustausch zur Therapie, denn: „Wenn du von der Basis wieder grade bist, rückt sich auch in deinem inneren Seinszustand einiges zurecht….“.

Heute, mit fast 50, sind die wirksamen Zusammenhänge zwischen Körper, Geist und Seele für sie unumstritten und sie kann umfangreiches Wissen in die Heilungsarbeit einbringen. Auch das über den Wert von Mikronährstoffen, die ihr selbst quasi das Leben retten. 2011 bekommt sie eine heftige Grippe mit anschließendem rheumatischem Fieber. Monate danach quälen sie zermürbende Schmerzen in Händen und Füßen. „Ich lag abends weinend auf dem Praxisboden und dachte, ich müsse meine geliebte Osteopathie aufgeben…“. Sie trifft eine alte Bekannte, die sie über die Wirkungsweise von Mikronährstoffen aufklärt, greift zu und ist damit nach 14 Tagen beschwerdefrei. Daraus hat sich für Ulrike Granz im Laufe der Jahre nicht nur ein weiteres Standbein, sondern vor allem eine Überzeugung entwickelt, die die begeisterte Pionierin zu neuen Höchstleistungen antreibt. „Menschen kann so weitreichend damit geholfen werden!“ Auch in Sachen Gewichtsreduktion .

Alles, was ihr sinnvoll dienlich erscheint, baut sie heute in ihre Arbeit ein. Energetische Lebensberatung ist im Laufe der Jahre ebenso dazugekommen, denn: „Es gibt mehr zwischen Himmel und Erde, als das, was wir greifen können…“. Genau das zeigt der saarländischen Wahlpfälzerin auch der Rückblick auf ihr eigenes Leben: „Alles ist genau richtig gelaufen. Auch wenn’s zwischendurch überhaupt nicht danach aussah….“.

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