Manchmal ist das Halbe ganz perfekt

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Freitag, 5. August 2016. Ich hab‘ sturmfrei und bin dankbar für die Flaute. Enzo hat sich zu Freundesbesuchen vom Berg gemacht, Kinderüberraschungen sind nicht zu erwarten und das Telefon lass‘ ich klingeln. Nach dem Wäscheaufhängen entscheide ich mich, ein Feuerchen zu entfachen. Schleppe die Feuerschale auf den Planschbeckenplatz, streune übers Gelände und sammle Holz. Bleib‘ in der Sonne stehen. Einfach so. Schließe die Augen, atme tief ein und tanke auf. Es ist erstaunlich still im Tal. Keine Motorsense, keine Kreissägen. „Nimm dir die Zeit und den Raum, den du brauchst“, sagt Enzo. Gut, dass er das sagt. Einfach isses trotzdem nicht. „Du kannst jederzeit in den Bauwagen, wenn du willst…“ Klar weiß ich, dass da mein kreativer Freiraum wartet. Bloß mit dem „Willich“ hab‘ ich manchmal meine Probleme. Oder besser gesagt, den „Willich“ davon zu überzeugen, dass jetzt mein eigenes Programm anliegt, obwohl noch nicht gekocht ist, die Wäsche nicht gewaschen ist, der Hund noch nicht draußen war….
Meine Großmutterschwester meint, ich hänge immer noch in alten Rollenmustern fest. Da ist sie Spezialistin drin und muss es wissen. „Darf ich mir meinen Raum ohne schlechtes Gewissen einfach nehmen?“ Erstaunlicherweise eiern da nur wir Mädels so rum. Überwiegend zumindest. Oder?
Jetzt sitze ich am Bauwagen. Weil ich das Feuer nämlich nicht in der Feuerschale auf dem Planschbeckenplatz, sondern unterhalb meines Bauwagens im alten Badeofenunterteil entzündet habe. Bin stolz auf mich, die zwanzig Meter weiter gelaufen zu sein. Bin stolz auf mich jetzt hier unten zu sein. Und das Beste: Hab‘ mir eine der alten Paletten zwischen Nussbaum und Bauwagen gezerrt. Die hatte ich schon mal an diesen Platz geschleift, weil ich davon überzeugt war, sie gäben – mit ein wenig Unterfütterung – einen wunderbaren Sitzplatzuntergrund am Hang. Damit ich ein kleines Tischchen und einen Stuhl drauf platzieren kann. Enzo hatte meine Idee leider nur mit einem Kopfschütteln kommentiert. Weil das nix Halbes und nix Ganzes sei. Aber genau in diesem Augenblick ist mir das halbe Ganze mehr als gut genug. Jetzt sitz‘ ich nämlich zum ersten Mal hier unten am Tisch und schreibe und denke und freu‘ mich an der Spätsommerabendsonne, knabbere Salzstengelchen, trinke ein Gläschen rosa Sekt und finde das Leben und mich ziemlich wunderbar :-).

6 Kommentare zu Manchmal ist das Halbe ganz perfekt

  1. Chandra - Christine // 5. August 2016 um 23:37 // Antworten

    Guten Abend liebes Schwesterherz ,ja genau dort kann ich Dich sitzen und geniessen sehen ! Wie schön ! Ja,Frau darf einfach mal die Seele baumeln lassen und geniessen ! Ich liebe Dich ,ich denke an Dich und freue mich mit Dir ! Gruss Chandra

  2. Herzlichen Glückwunsch :)) Du hast den Sprung aus der Box geschafft!!
    Vor kurzem habe ich es auch gewagt,ich bin ins Ungewisse gesprungen und näher bei mir selbst angekommen. Ein schönes Gefühl, gel. ganz herzliche Grüße und Umarmung.

  3. Inge Vorspel-Hartard // 23. August 2016 um 11:52 // Antworten

    Ein schönes Stimmungsgemälde…
    und Gigi hat HALB recht … dieses Rollenmuster hängt (für diesen Abend jedenfalls) am Nagel …

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